Weit über 500 Gäste sind am Freitag, den 19.8.2011, der Einladung der IHV Köln zum gemeinsamen Fastenbrechen in der Mensa der Uni Köln gefolgt. Menschen unterschiedlichster Herkunft, Muslime und Nicht-Muslime kamen zusammen, um gemeinsam zu speisen, sich kennenzulernen und auszutauschen. Der Abend konnte vor allem durch eine intensive Vorbereitungsphase gelingen. Wochenlang wurde gemeinsam diskutiert, hunderte E-Mails ausgetauscht und bei mehreren Treffen die Veranstaltung geplant. Poster und Flyer wurden auf dem gesamten Campus der Uni und anderer Hochschulen verteilt, auch über Facebook und den IHV-Verteiler erfuhren die Gäste von dem Abend.
Am Veranstaltungstag selbst traf sich einige Stunden vor offiziellem Beginn eine große Gruppe von über 30, um den Saal festlich zu schmücken, die Technik aufzubauen, das Buffet aufzubauen, einen kleinen Brunnen als Symbol für die Spendenaktion zu basteln und noch viele andere Aufgaben zu erledigen.
Um 19.15 wurden die Türen geöffnet und die Besucher strömten nach und nach in den Veranstaltungsraum. Recht schnell wurde klar, dass weit mehr als die angepeilten 400 Gäste kommen werden. Im Laufe des Abends wurde es so voll, so dass mit Erlaubnis der UniMensa die Gäste die Terrassenplätze der Mensa nutzen durften. Gott sei Dank spielte das Wetter mit! So stand einer großen Feier nichts mehr im Wege.
Unsere Moderatoren Cemile und Hakam eröffneten um 19.40 Uhr offiziell den Abend. Zunächst trug Abdulaziz Aldossary mit schöner Stimme die Sura Mariam aus dem Koran vor. Im Anschluss begrüßten der Vorsitzende der IHV Köln, Yusuf Sari, und Karl-Heinz Korn vom Akademischen Auslandsamt der Universität zu Köln die zahlreichen Gäste: Zum ersten Mal ist es der IHV Köln gelungen, einen großen Anteil von Nicht-Muslimen zum Iftar einzuladen, was sehr positiv zur Kenntnis genommen wurde.
Im Anschluss wurde es ernst: Bruder Mimoun, ehemaliger Vorsitzender der IHV und weiterhin sehr aktiv im Team, stellte das IHV-Brunnenprojekt vor. Ziel des Projektes war es, 3000 Euro zu sammeln, um den Bau eines Brunnens inmitten einer Schule im Westdarfur (Sudan) zu ermöglichen, der sauberes Trinkwasser für mehr als 375 Schüler und Schülerinnen bereitstellen soll.
In einem dringenden Appell erinnerte er an die Vorzüge des Spendens und gerade dieses Projektes, da kontinuierlich und langfristig Bedürftigen geholfen wird: „Der Bau eines Brunnens ist eine laufende Sadaqa (=freiwillige Almose). Während du hier sitzt, kriegst du gute Taten gutgeschrieben aufgrund eines Brunnens, welchen du vielleicht schon lange vergessen hast.“
Danach wurden die Spenden gesammelt: Zum einen wurden direkte Spenden angenommen, zum anderen wurden sieben Teile eines selbst gemalten Brunnen-Bildes versteigert. Der Erfolg dieser Aktion überstieg alle Erwartungen und Träume des IHV-Teams: An diesem Abend und im Vorfeld der Veranstaltung konnten über 12.200 Euro gesammelt werden! MashAllah (so hat Gott es gewollt): Ein einziger Brunnen sollte gebaut werden und nun sind es mindestens vier! Eine großartige Leistung aller Spender, egal ob groß oder klein, jung oder alt, Muslim oder nicht: Viele Hände und Herzen haben zu diesem Erfolg beigetragen. Die IHV Köln bedankt sich an dieser Stelle nochmals bei allen Spendern und Unterstützern der Aktion.
Parallel zum Programm liefen die Vorbereitungen für das Fastenbrechen, das um Punkt 20:51 Uhr sein sollte, in vollem Umfang weiter. Wider erwarten wurde das Fladenbrot nicht geschnitten geliefert, so wurde dies schnell -soweit es mit den vorhandenen Butterbrotmessern ging- durch fünf Schwestern nachgeholt. Anschließend wurden noch die 600 Salatschälchen frisch mit Dressing verfeinert. Ein Fotograf des Kölner-Stadt-Anzeigers erschien zwischendurch in der Küche und machte Fotos, was die konzentrierten Studenten/Studentinnen nicht störte, und er schien sichtlich überrascht über das organisierte und schnelle Vorgehen bei den Vorbereitungen zu sein. Noch bevor es soweit war stellten sich alle Helfer/innen, die für die Essenausgabe zuständig waren, mit den Suppenkellen und Löffeln in der Hand hinter das Buffet, welches auf zwei Tische verteilt war. Die von den Fastenden ersehnte Essensausgabe konnte nun beginnen.
Am Ende der Brunnen-Aktion war es soweit: Der Gebetsruf ertönte und das Fasten durfte gebrochen werden; zahlreiche Gäste reihten sich in den Schlangen für das Buffet ein. Zum Menü, welches von der DITIB und dem Restaurant Al-Salam gesponsert wurde, gehörten eine Linsensuppe, Salat, Kalbfleisch mit Reis und zum Nachtisch arabisches Gebäck und Süßigkeiten. Eine Dattel durfte natürlich auch nicht fehlen, mit ihr wird traditionell das Fasten gebrochen. Viele Gäste nutzen die Zeit um sich mit ihren Tischnachbarn über Gott und die Welt zu unterhalten. So wurde ein wichtiges Anliegen der IHV umgesetzt: Den Dialog zwischen den Kulturen fördern und zu der Feststellung kommen, dass es mehr Gemeinsamkeiten als Unterschiede gibt. Medizinstudent Tucker (22) zog folgendes Fazit: „Ich habe hier eine totale kulturelle Vielfalt entdeckt: Schwarze, weiße, gelbe Menschen waren mit dabei und haben sich trotz unterschiedlicher Herkunft oder Kultur bei einem gemeinsamen Essen kennen gelernt und sich toll unterhalten. Mir hat es sehr gut gefallen und beim nächsten Mal bin ich gerne wieder mit dabei!“
In diesem Sinne ließen die Gäste den Abend ausklingen und gingen hoffentlich zufrieden nach Hause. Für das IHV-Team war der Abend natürlich noch nicht ganz beendet, die Aufräumarbeiten und die Auszählung der Spenden standen noch auf dem Programm. Angesichts der erzielten Spendensumme durch die Brunnenaktion fielen diese Arbeiten besonders leicht, denn jeder aus dem Team wusste: Dafür hat sich der ganze Aufwand definitiv gelohnt.
An dieser Stelle dankt die IHV Köln besonders unseren Kooperationspartnern, dem Akademischen Auslandsamt und dem Kölner Studentenwerk, auf deren Unterstützung wir stets zählen konnten. Ein Dank gebührt auch den drei Mensa-Mitarbeiter/innen der Spülküche, die uns tatkräftig mitgeholfen haben. Erst durch diese Unterstützung und Kooperationen konnte der Abend gelingen.
